Achen, eine Stadt zwischen dem Rhein und der Maas, mit 2100 Häusern und 26,000 Einwohnern. Die Gegend um Aachen ist höchst angenehm. Die Stadt liegt in einem heitern Thale, umgeben von schönen Hügeln. Wie alt die Stadt sey, beweist, daß ihrer bereits beim Plinius unter dem Namen Veterra erwähnt wird; auch war sie zu Cäsars und Drusus Zeiten den Römern wohl bekannt, und Spuren römischen Daseyns finden sich in der Stadt und in der Gegend. Hier erhielt Kaiser Carl der Große 742 sein Daseyn; hier starb er auch, nachdem er Aachen zur 21. Stadt seines Reichs erhoben, 814. Welche Freiheiten er und mehrere Kaiser dieser Reichsstadt gegeben, ist fast daraus abzunehmen, daß auch, "die Luft frei machte in Aachen, sogar die Reichsächter." Sie war Krönungsstadt und verwahrte ansehnliche Reichskleinodien. Die Bürger waren im ganzen Reiche frei von Hand- und Kriegsdienst, Pfändungen, Gefängniß, Zoll- und andern Abgaben, so sonst reisende Kaufleute zn entrichten hatten . Am 2. Mai 1668 ward hier Friede zwischen Frankreich und Spanien, am 18. October 1748 Friede zwischen Frankreich, England und den Niederlanden geschlossen. Den Markt schmückt die Bildsäule Carls des Großen aus Erz, umgeben von zwei großen schwarzen Adlern, die, so wie Carl, ihre Blicke hinrichten nach seiner ehemaligen Pfalz, von welcher jetzt der preußische Adler herabblickt. Bildsäule und Adler sind auf dem Brunnen des Markts angebracht. An der Stelle, wo ehemals ein römisches Kastell gestanden, bauten die fränkischen Könige eine Pfalz, die Geburtsstätte des großen Carl. Nachdem diese 882 von den Normannen zerstört, von Otto III. aber um 933 wieder hergestellt worden, machte man sie im 14ten Jahrhundert zum Rathhaus. Dies Gebäude enhält manches Sehenswerthe, wie die hohen, gewdlbten Säle, mit Ueberbleibseln altdeutscher Kunst, den Krönungssaal mit vielen Bildnissen, das Brustbild Bonaparte's nebst seiner ersten Gemahlin, gemalt von David, einen Thurm, welcher römischen Ursprungs ist . Der Münster entstand durch Kaiser Carl von 796-804, und war mit großer Pracht ausgeschmückt. Der Form nach rund, ward er von acht Pfeilern gehalten, n deren Bogen 32 Sülen mit korinthischen Knäufen emporstrebten. Die Säulen brachen die Franzosen im Revolutionskriege aus und führten sie nach paris; von dort sind die, wiewohl nicht alle, 1815 wieder zurückgebracht. Im Jahr 1353 baute man den hohen Shor daran, im edlen, künhen Styl. Mitten in demselben erhebt sich das Grabmal Carls des Großen, mit der einfachen Aufschrift: Carolo magno. Oben darüber schwebt an einer Kette eine colossale Krone von Silber und vergoldetem Kupfer, die Friederich I. hieher geschenkt; sie ist zugleich ein Leuchter für 48 Kerzen. In dem Hochmünster steht uf fünf Marmorstufen der weiße, marmorne Stuhl, auf welchem mehrere Kaiser bei der Krönung saßen, und über welchen dann Goldplatten gelegt wurden. Vor der sogenannten Wolfsthüre des Münsters standen sonst auf einem Gesimse eine Wölfin und ein Kieferzapfen von Bronce. Auch sie wurden nach Paris geführt, doch sind sie neuerdings zurückgekehrt und haben ihre alte Stelle wieder eingenommen. Die Franziskanerkirche zeichnet eine ebenfalls aus Paris zurückgekehrte herrliche Kreuzabnahme von Rubens aus. Die Einwohner sind größtentheils Katholiken. Ein Theil derselben, die sogenannten Kapesbauern, leben von Feld- und Gartenbau; andere treiben bürgerliche Nahrung, wobei der Zufluß der Badegäste sehr zu statten kommt; die übrigen leben von Fabriken, und Handel. Die vorzüglichsten Fabriken sind die Tuch- und Sasimirfabriken von Kelleter, van Hautem, Braf; die Stecknadelfabrik von Migeon und Shervier, die Nähnadelfabriken von Kastor, Sterß. Die wichtigsten Wechselgeschäste macht das Haus Schlösser. Die hiesige Volksprache ist ein Gemisch von allen benachbarten Sprachen, dem Plattdeutschen, Flämischen, Holländischen, Wallonischen, Französischen und abscheulich anzuhören. In der Stadt Aachen entspringen eigentlich sechs warme und eine kalte mineralische Quellen. Die vorzüglichste derselben ist die Kaisersquelle, welche auch von ihrem eingeschlossenen Dunst den sogenannten Bandschwefel abseßt. Der eigentliche Trinkbrunnen ist hinter der neuen Redoute und wird, so lange Kurgäste da sind, von 6 - 9 Uhr gepumpt; doch trinkt man jeßt meistens das Wasser des Kaisersbrunnens. Bei der Kaisersquelle ist das Kaisersbad. Außer diesem sind noch bei den obern Quellen: das neue Bad, das Bad zur Königin von Ungarn, oder das kleine Bad, das Quirinusbad. Bei den untern Quellen sind; das Herrenbad, das Rosenbad, das Armen- oder Komphausbad. In diesen Bädern finden zugleich die Fremden bequeme Wohnungen. Die Badegemächer sind trefflich, mit vier bis fünf Fuß tiefen Bädern, ganz massiv, nach alt-römischer Art, an den meisten Zimmer mit Betten und Kaminen. Auf dem Driesch ist ein eisenhaltiger Sauerbrunnen, der, wegen Aehnlichkeit mit dem Pouchonwasser in Spaa, der Spaabrunnen genannt wird. Das Aachner warme Mineralwasser ist besonders nüßlich bei Verderbniß der Säfte, chronischen Hautausschlägen, Podagra, Gliederkrankheiten, scorbutischen Geschwüren, Säure in den ersten Wegen, Contracturen und andern Krankheiten von Quecksilber und Bleigiften, Verstopfungen der Eingeweide u. s. w. Das Wasser ist hell, so lange es frisch ist und seine natürliche Wärme hat. Wenn es kalt ist und seinen schwefelhaften Geruch verloren hat, wird es milchicht und trübe; auch schlägt es dann einen blassen, erdigen Bodenfaß nieder, indessen auf der Oberfläche ein aschfarbnes schmierigtes Häutchen entsteht. Es hat den Geschmack fauler Eier. -- Nur ohngefähr 500 Schritt von Aachen liegt der Flecken Burdscheid, der mehrere warme Quellen enthält. Die obern Quellen kommen in Orte selbst hervor, die untern hingegen in Thale unter freiem himmel. Das Wasser kann zum Waschen und Färben der Tuche sehr bequem verwendet werden. Die obern Quellen enthalten gar kein hepatisches Gas und seßen keinen Schwefel ab; hiedurch unterscheiden sie sich von den untern und den zu Aachen. Auch in Burdscheid sind Tuch-, Sasimir- und Rähnadelfabriken. Die in der hiesigen Gegend befindlichen Steinkohlenlager und Schwefelkiese deuten auf die Ursache der vielen warmen quellen zu Aachen und Burdscheib hin.
1. Aachen, in Schlesien u. Westfalen, auch in Preußen ehedem seßhaft.
[ Siebmacher V. 214. Gehörte z. Stadtadel. -- v. Zedliß; v, Lederbur I. 1.]
2. Aachen, ein altes Patriziergeschlecht in d. Stadt gleichen Namens. Ich finde Obertynus de Trajecto neben Wilhelm de Monasterio ("von Müster") u. a. als scabinus oder Rathsherr zu Aachen in einem Brief des Stifts Walkenried 1243. Daß der Name nicht blos die Heimath des besagten Obertin, sondern ein wirkliches adliches Prädikat, Besiztitel vorstellen solle, scheint mir auch daraus hervorzugehen, daß in besagter Urkunde die Stadt Aachen "civitas Aquensis" u. die übrigen Zeugen cives Aquenses genannt werden, während Obertin allein den Namen "de Trajecto" führt. [U. B. f. Nieders. II. 174 ]
Aachen, (auch Achen) die Freiherrn u. Herrn von.
Von dieser Familie, aus der in Schlesien und in Wesphalen noch vor einigen Jahren Mitglieder lebten, findet man in Siebmachers Wappenbuche 5. Thl. S. 214. das Wappen unter dem Adel von Speyer. Es zeigt im halb weissen, halb schwarzen Felde drei silberne Halbmonde, und auf dem Helme zwei halb weisse, halb schwarze Büffelhörner, von denen das linke unten, das rechte aber oben weiss ist. -- Zu Münster lebt eine Wittwe von Aachen, geborene von Ampoten. -- In Schlesien war ein Herr von Aachen mit einer von Dobschütz vermählt, und in den Jahren 1826 und 1827 starben zu Freiburg und zu Brieg zwei Fräulein von Aachen, die Töchter aus jener Ehe. Ein Freiherr von Aachen stand im Jahre 1806 als Hauptmann in dem Regimente von Hacken zu Münster und starb in Jahre 1807. -- In demselben Jahre dienten noch zwei andere Offiziere dieses Namens in der preussischen Armee, und zwar einer als Lieutenant in dem Regiment Herzog von Braunschweig zu Halberstadt; er starb als Capitain des 5. wetphälischen Linien-Infanterie-Regiments im Feldzuge gegen Russland. Ein anderer diente als Lieutenant, in dem preussischen Dragonerregiment v. Wobeser, und starb als Oberstlieutenant (?) im Jahre 1816 in der englisch-deutschen Legion zu London; mit ihm erlosch diese Familie.